Die Nachkommen der Familie Zeisset auf der Fasanenmühle Waldenburg und in Würzburg

Vor Kurzem kam ich (maria.trepp at gmail) bei meiner Forschung zur Fasanenmühle Waldenburg in Kontakt mit einer entfernten amerikanischen Cousine, Loretta Hoerman, die mit der Familie Schmidt in Würzburg gemeinsame direkte Vorfahren teilt, nämlich

Mennoniten

Jacob Zeisset war Mennonit und stammt aus einer Mennonitensippe, die ursprünglich und auch heute noch in der Schweiz und lebte und lebt. Ein Teil dieser Mennoniten waren im Laufe der Jahre nach Norden in die Nähe von Karlsruhe (Kraichtal ) migriert.

Jacob und Johanna Zeisset sind direkte Vorfahren der Schmidts, über die Linie Karoline Schmidt. Johanna Zeisset war evangelisch-lutherisch. Wahrscheinlich waren viele oder sogar alle Kinder und Kindeskinder von Jacob und Johanna dann im strikten Sinne evangelisch-lutherisch und keine Mennoniten.

Mennonit“ kann wohl zwei verschiedene Dinge bedeuten:
a. zugehörig zu einer Mennonitengemeinde

b. stammend aus einer Mennonitensippe.

Magdalena Zeisset, die Tochter von Jacob und Johanna Zeisset, wurde in verschiedenen Kontexten als „Mennonitin“ bezeichnet, aber es ist unklar, ob sie einer Mennonitengemeinde angehörte. Ihre Tochter Louisa wurde jedenfalls getauft, ist also evang.-lutherisch.

Ganz rechts Johanna, links neben ihr das kleine Mädchen ist Magdalena, daneben ihr Vater Jakob. Links in der hinteren Reihe ist Johannes, der ein Milchgeschäft in Würzburg hatte. Hinten in der Mitte Jakob Friedrich Zeisset, von dem alle amerikanischen Cousinen abstammen. Gestorben im Gefängnis in Schwäbisch Hall.

Loretta Hoerman und ihre große amerikanische Familie stammen alle ab von Jakob Friedrich Zeisset, siehe Foto. Diese Verwandten emigrierten nach Amerika, vor allem nach Kansas. Loretta und ihre Familie sind äußerst aktiv in der Ahnenforschung, wie man auf ihrer Zeisset Website nachlesen kann. Loretta, die Deutsch spricht, liest und schreibt, hat ausführliche Ahnenforschung in Deutschland betrieben und viele Stunden und Wochen in Archiven zugebracht. Ihre erstaunliche Arbeit gibt auch uns einen Einblick in die Bewohner der Fasanenmühle, wo Karoline Schmidt geboren ist,

siehe Lorettas Dokumentation

The Zeisset Family in Germany

https://zeissetgenealogy.zeisset.com/ZeissetFamilyinGermany/index.html

Vorfahren in der Fasanenmühle

Meine Großmutter Karoline Schmidt wurde in der Fasanenmühle geboren. Ihre Mutter Louisa Schmidt (geb. Belzner) starb, als Karoline drei Jahre alt war.

Aus der Forschung von Loretta ergibt sich das Bild, dass auch Louisas Mutter Magdalena geb. Zeisset und unsere Ahnenfrau Johanna Zeisset in der Fasanenmühle wohnten. Johanna Zeisset starb 1889 in der Fasanenmühle.

Magdalena (Lena) geb. Zeisset verh. Belzner, Sonder, Franz

Magdalena (Lena) geb. Zeisset wurde 1854 in Hohenstadt geboren, verließ wahrscheinlich 1864 mit ihrer Mutter Johanna Zeisset das Zeisset-Haus in Sindolsheim und zog mit ihren älteren Brüdern in die Gegend von Kreuzfeld. Im Jahr 1873 hat Magdalena in Schrozberg einen Mann aus Schrozberg, Johann Belzner, geheiratet. Er war ein Steinmetz. Ihre einzige Tochter, Louisa, wurde im folgenden Jahr 1874 in Schrozberg geboren und in Schrozberg getauft. Johann Belzner starb 1876 in Schrozberg. Magdalena heiratete 1881 Georg Peter Sonder, ebenfalls in Schrozberg. Er war Schlosser und wohl auch Schäfer. Am 26. August 1887 zog Magdalena mit ihrem Mann Georg Peter Sonder, ihrer 13-jährigen Tochter Louisa und ihrer Mutter Johanna zur Fasanenmühle. Möglicherweise lag der Grund für diesen Umzug darin, dass Peter Sonder auf der Fasanenmühle als angestellter Schäfer arbeiten konnte.

Loretta Hoerman fand heraus, dass Peter Sonder im Februar 1889 nach Pennsylvania emigrierte. Offensichtlich funktionierte die Ehe in der Fasanenmühle nicht mehr…möglicherweise hatte Magdalena mit dem Besitzer der Fasanenmühle Johann Andreas Franz ein Verhältnis. Jedenfalls ließ sie sich Ende 1889 von ihrem emigrierten Mann Peter Sonder scheiden und heiratete wenige Monate später, am 24. April 1890,  Andreas Franz, den Besitzer der Fasanenmühle.

Später schenkten oder verkauften Magdalena Franz geb. Zeisset und ihr Mann Andreas Franz die Fasanenmühle an Louisa Belzner und Christof Schmidt und zogen nach Würzburg. Louisa Schmidt geb. Belzner starb nach der Geburt van 5 Kindern 1903 auf der Fasanenmühle.

Louisa Schmidt geb Belzner 1874-1904 Christof Gottfried Christian Schmidt 1862-1948 Fasanenmühle Waldenburg

Milchgeschäft in Würzburg

Nicht nur die Vorfahren unseres Großvaters Friedrich Schmidt (Gottfried Friedrich Schmidt 1904  – 1970) in Würzburg hatten ein Milch- und Lebensmittelgeschäft, sondern auch die Vorfahren von Karoline Schmidt, und zwar von der mütterlichen Zeisset-Seite her, also nicht nur von Karolines Schmidt-Seite her, auf der sie Cousine von Großvater Friedrich war.

1896 zogen Magdalena geb. Zeisset und ihr Mann Johann Andreas Franz nach Würzburg, wo sie den Rest ihres Lebens verbrachten.

Aus dem Einwohnerblatt und dem Adressbuch im Würzburger Stadtarchiv geht hervor, dass Andreas Franz und seine Frau Magdalena am 10. August 1896 von der Fasanenmühle nach Würzburg zogen. Sie wohnten in verschiedenen Häusern, bis sie sich schließlich in der Huttenstraße 10 niederließen, wo Magdalenas Bruder Johannes Zeisset mit seiner Frau Elisabetha seit 1895 gewohnt und sein Milchgeschäft betrieben hatte. (Johannes und Elisabeth wurden übrigens von einem Mennonitenpfarrer getraut).

Magdalena und ihr Mann übernahmen dann das Milch-und Lebensmittelgeschäft in der Huttenstraße 10, 500 m entfernt von dem Geschäft unseres Urgroßvaters Friedrich Schmidt in der Weingartenstraße 24! Das Geschäft in der Weingartenstraße wurde ca 1904 begonnen, also später als das von Magdalena.

Von links nach rechts: Marie Elisabeth geb. Härterich mit Konrad Friedrich Schmidt, Friedrich und Karoline Schmidt mit Tochter, Sohn Härterich, und mit Hut Fasanenmüller Christof (Christof Gottfried Christian Schmidt 1862-1948), ganz rechts der im Krieg gefallene Bruder Rudolf Schmidt. Vor dem Geschäft in der Weingartenstraße 24, ca 1935.

Milchzentrale

Unsere Vorfahren, sowohl Familie der beiden Eltern von Karoline Schmidt als auch der beiden Eltern von Friedrich Schmidt machten ca. 1900 den Sprung von Bauernwirtschaft zum Verkauf von Milch und Lebensmitteln in der großen Stadt Würzburg. Unser Großvater Friedrich war, ebenso wie sein Vater, Vorstandsvorsitzender der Milchzentrale. Er hatte Lebensmitteltechnologie in Weihenstephan studiert. (Die Hantierung von Milchverkauf und Rohmilch ist eine äußerst delikate Angelegenheit).
Nach dem Krieg übernahm Großvater Friedrich Schmidt im Auftrag der Amerikaner die Leitung für die Lebensmittelversorgung in Würzburg.

Seine Tochter Ursula Schmidt, verh. Holeisen, führte lange Zeit noch das Geschäft in der Weingartenstraße.

Friedrichs Bruder Walter Schmidt (1914-1999) hatte ebenfalls ein Lebensmittelgeschäft, in der Seinsheimstraße.

Auch Magdalena (Lena)  Franz geb. Zeisset war mit ihrem Laden ein Mitglied der Milchzentrale, wie man auf ihrer Todesanzeige (Danke Loretta!) sehen kann:

Huttenstraße 10 in Würzburg

Magdalena (lena) Franz geb. Zeisset war 1896 mit ihrem Mann Andreas Franz nach Würzburg in die Huttenstraße gezogen, wo sie ein Lebensmittel und Milchgeschäft führten:

Auch Magdalenas Enkel Karoline Schmidt und Friedrich Schmidt wohnten zeitweise in der Huttenstraße bei ihrer Großmutter.